Depressionsgefahr in Umbruchssitutationen – ein Kommentar

Depressionsgefahr bei kritischen Lebensereignissen kann nicht verhinder werden - aber abgemildertDepressionsgefahr in Umbruchsituationen

– so lautete der Artikel von Prof. Dr. Martin Ekkehard Keck. Herr Keck postete ein Interview mit ihm in dem er mit dem Worten zitiert wurde „Besonders gefährlich können Umbruchsituationen sein: Wenn sich der Alltag ändert, wenn das Leben einen anderen Lauf nimmt, dann muss sich auch unser Gehirn umstellen. Während solcher Phasen sind manche Menschen anfälliger, eine Depression zu entwickeln.“
Das stimmt. Und/Aber …

Kritische Lebensereignisse

Ich kommentierte die Beitrag von Prof. Dr. Keck folgendermaßen: „Kritische Lebensereignisse (Tod eines Partners, Heirat, Jobwechsel, Geburt eines Kindes, Hochschulabschluss …) sind dazu prädestiniert, Krankheitsphasen hinterherzuziehen (manchmal auch vorher). Dazu gehört natürlich auch die Depression. Siehe z. B. Filipp, Sigrun-Heide: „Kritische Lebensereignisse“ (Erstauflage ca. 1981). Oftmals wird genau in dieser Krankheitsphase vom Körper dieser innere Change organisiert bzw. vollzogen. Man erwacht dann wie Phönix aus der Asche aus dieser Zeit der Krankheit.

Übrigens sind diese Phasen kürzer, wenn man darauf vorbereitet wird, dass Kritische Lebensereignisse zu derartigen Reaktionen führen können. Verhindern kann man sie also nicht, aber durch diesen Hinweis erleichtern.

Change ist körperlich immer anstrengend. Schließlich müssen Gehirnzellen und deren Verbindungen neu aufgebaut und neu organisiert werden. Und, oh je, die ganze Anstrengung der Jahre vorher, ein funktionierendes routiniertes Gehirnsystem aufzubauen, scheint für die Katz. Das weiß der Körper. Und diese innere Zerrissenheit zwischen Bewahren und der Notwendigkeit zu verändern, kann müde machen, sehr müde … ;-)“

Kritische Lebensereignisse in Unternehmen

Ein weiterer Blogger (Axel Wimmer) meinte, die Erkenntnisse von Herrn Keck seien schon lange bekannt und kritisierte diesbezüglich Herrn Prof. Dr. Keck. Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch den Begriff „Changemanagement“, der im Zusammenhang mit Veränderungen in Unternehmen oft verwendet wird. An dieses Zitat schloß sich mein zweiter Blogbeitrag an: „Thema Changemanagement: Es gibt auch Kritische Lebensereignisse in Unternehmen (Wachstumsgrenzen, organisatorische Veränderungen, Werteveränderungen, Marktveränderungen). Ich habe aus der o.g. Erkenntnis in den letzten 20 Jahren immer wieder Unternehmensbereiche auf angekündigte Kritische Lebensereignisse der Unternehmensbereiche vorbereitet und dadurch selbst initiierten proaktiven Change vorbereitet bzw. eingeleitet. Das funktioniert sehr gut und federt erfolgreich die Depressionsstimmungen (um Herrn Prof. Dr. Martin Ekkehard Keck zu zitieren) in den Teams ab, wie wenn Change erst nachträglich, d.h. nach dem Ereignis vollzogen werden muss.“

Der Veränderung ins Auge schauen

Der Depressionsgefahr entgegnen.Die Erkenntnis, dass man die Krankheitsphase nicht verhindern kann sondern nur abmildern und verkürzen, in dem man den Betroffenen auf das Kritische Lebensereignis vorbereitet und darüber informiert, dass diese eintreten könnte, war eigentlich nur ein Nebenprodukt unserer Literaturforschungen. Wir hatten schnell wachsende Unternehmen wie z.B. erfolgreiche Start ups begleiten wollen und identifizierten auf diesem Wege unterschiedliche Kritische Lebensereignisse schnell wachsender Unterhmen. „Der Veränderung ins Auge schauen“ wurde seitdem ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit in der Begleitung von Changeprozessen von Einzekpersonen, Teams, Abteilungen und Unterehmen.

Den Weg bahnen

Kritischen Lebensensereignissen kann proaktiv begegnet werden - auch in UnternehmenBis das Gehirn und der Körper neue Wege gehen kann, ist einige Vorarbeit zu leisten. Manche nennen die erste natürliche Reaktion auf die Forderung nach Veränderung „Widerstand“. Es gehört aber zum ganz normalen Prozess der Veränderung erst einmal „stop“ zu sagen. Schließlich möchte das Gehirn nicht alle paar Tage neu den energetischen Aufwand betreiben, alles umzubauen. Da muss schon ein echter Grund vorliegen. Der nächste Schritt auf dem Weg zu neuen Ufern ist es, vorsichtig über den neuen vorgesetzten Veränderungsberg zu lugen. Erst wenn man davon überzeugt ist, dass sich der Weg lohnt und er sinnvoll ist, macht man sich auf den Weg. Falls man schon in einer Depression gelandet ist, gilt es sich nun auf den Weg zu machen, um aus innerer Verwirrung und Demotivation zu innerer Klarheit und positiver Motivation zu gelangen.

  • Die neuen inneren Vorstellungen über die neue Zukunft müssen geklärt werden (Visionsklarheit, Zielklarheit).
  • Neue Wege probe-gedacht (ggf. auch verworfen) werden (Klarheit über den Weg und die Methoden sowie die ersten Schritte).
  • Glaubenssätze müssen verändert werden (insbesondere die den Weg und das Ziel limitierenden).
  • Mit dem alten Verhalten oder den alten Lösungsansätzen kann man in der Regel nicht die neue Welt erobern, die vor einem liegt. Neue Fähigkeiten müssen erarbeitet werden, Gewohnheiten verändert, neue Denkweisen und Grundhaltungen entwickelt werden.
  • Veränderung ist eine systemische Arbeit, keine monokausale. Das benötigt Energie und Gehirnschmalz.

Meine bzw. unsere Arbeit diesbezüglich hat sich über die Jahre hinweg professionalisiert. Es geht darum, die Menschen dabei zu unterstützen, die depressiven Hürden innerhalb weniger Stunden zu innerer Klarheit, Energie und Fokussierung zu katalysieren. Statt energetischen Aufwand zu mobilisieren, die alten Strukturen zu halten, verwendet dann das Gehirn schneller mehr Energie dafür, die neuen Strukturen zu schaffen, die die ersten Schritte in die Veränderung ermöglichen. Es beginnt sich zu verändern. Sigmund Freud kommentierte den vorbereitenden inneren Veränderungsprozess mit den Worten:

„Wenn die Menschen mehr Probedenken würden,
würden sie weniger Fehler machen
“ (Sigmund Freud).

Genau durch dieses zukunftsorientierte Probedenken beginnt der erste Schrit zu Veränderung – auch ohne Depression.

Unternehmensbeispiele

  • Ein Team von TrendMicro sollte innerhalb von 6 Monaten von sieben Personen auf 25 Personen wachsen. Dabei durchschritt es zwei Wachstumsgrenzen als Kritische Lebensereignisse eines bestehenden Teams. Das Wachstum wurde mit entsprechender Vorbereitung des Teams hervorragend und ohne Verlust alter Teammitglieder mit kontinuierlich hoher Motivation gemeistert.
  • Ein regionales Team von Siemens wurde durch proaktive Unterstützung auf Internationalität vorbereitet.
  • Prognostizierte Veränderungen von Anforderungen an ein Team, das in einem Konzern regional Sportcenter führte antizipierte die Veränderungen derart erfolgreich, dass sie nun weltweit Fitnesseinrichtungen im Konzern einführten und nun diese weltweit verantwortlich sind.
  • Führungskräfte sollten sich zu Unternehmern innerhalb eines Konzerns wandeln. Unternehmerische Verantwortung sollte bis in kleinste Teameinheiten hinein umorganisiert werden. Das machte ihnen zunächst Angst. Durch Antizipation der bevorstehenden Kritischen Lebenseignisse und durch Einbindung in den bevorstehenden Veränderungsprozess wurde dieser Schritt in eine neue Verantwortungsrolle von mehr als 70 % der Führungskräfte proaktiv erfolgreich bewältigt.

Quellenangaben:

Autor dieses Artikels

Hans-Peter Wellke https://blog.wellke.de Tel. 08376-921744

 

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